Review: GROTESQUE
Es ist immer so eine Sache, mit den “über-brutalen” Filmen. Man liest viel über sie, es baut sich langsam aber sicher ein Hype auf, dann kommt jemand als erster Augenzeuge und berichtet, wie unglaublich brutal und böse menschenveranchtend der Film doch sei, es wird weiter gehyped, dann kommt die DVD auf den Markt, man kauft sie sich für teuer Geld, legt sie in DVD-Player, drückt Start – und dann wird man endlos enttäuscht.
So auch in diesem Fall. Grotesque war zu Anfang nur ein Trailer auf einer Website, der plötzlich verschwand, was die Gerüchteküche brodeln ließ. Auf der Website stand nun “Gestoppt”. Was war so schlimm an diesem Film, dass er anscheinend nicht einmal in Japan laufen durfte? Ist er so hart, dass er alles Dagewesenen toppen wird? Werden wir echte Snuff-Aufnahmen zu Gesicht bekommen?

Die Antwort ist: Nein und nein. Der Film ist hart und hat auch mitunter seine sicken Stellen, ja, aber ihn als die Krone, als heilige Handgranate der Torture-Porn-Welle darzustellen, ist etwas weit hergeholt. Aber worum geht’s überhaupt in dem Film? Ein Paar – das scheinbar nicht mal wirklich ein Paar zu seinen scheint – wird entführt und auf die Probe gestellt: Sind sie bereit, für den Anderen zu sterben, Qualen zu leiden? Wie groß ist ihr Überlebenswillen? Und, das wichtigste überhaupt – ist er groß genug, um dem Peiniger Erregung zu beschaffen? …
Jaja, genauso hirnrissig wie die Story klingt ist sie auch, und fungiert höchstens als Alibi-Handlung, die das zeigen abartigster Foltereien rechtfertigen soll. Aber wie abartig sind diese denn überhaupt? Nun ja, sehr. Aber bis auf eine Szene gab es nichts, dass ich nicht schon anders, besser in einem anderen Film gesehen habe. Der Film zeigt viel, aber nicht alles, und bleibt deshalb weit hinter den Erwartungen, der größte Gore-Knaller und Blut-Schmuddel-Film mit allerhand Gekröse zu sein, zurück. Und auch in Sachen Atmosphäre haben mich andere Einträge im Torture-Porn-Register mehr überzeugt, als dieser Hostel-Klon; die seltsamen Matschgeräusche, die bei jeder Folter auftreten, sind dabei Stimmungskiller Nr. 1!
Was allerdings gar nicht geht ist das Ende. Ich möchte jetzt nicht spoilern, aber wo vorher noch Ernsthaftigkeit und Hand-made-FX zu finden waren, sind am Ende nur noch Albernheit und CGI-Matsch von übrig.
Beachtenswert ist allerdings die Tatsache, dass der Film, obwohl er eine Japan-Produktion ist, Genitalien unzensiert lässt, und wohl der erste Horrorfilm ist, der in Japan eine “ab 20″-Freigabe bekommen hat. Ob er die verdient hat, sei dahin gestellt.

Nun ist das mit der Abartigkeit und der Härte natürlich alles subjektiv und es mag sicher Leute geben, für die Grotesque der schlimmste Film ever ist. Für mich ist er das nicht. Was er allerdings ist: eine Enttäuschung. Und zwar nach Martyrs schon die Zweite. Und 30€, die ich anders hätte auf den Kopf hauen können.
4/10
August 1, 2009 um 4:41 nachmittags
“Der Film ist hart und hat auch mitunter seine sicken Stellen, ja, aber ihn als die Krone, als heilige Handgranate der Torture-Porn-Welle darzustellen, ist etwas weit hergeholt”
Welcher Film soll den bitte schön der härteste/blutigste Beitrag der Torture-Porn-Welle sein ? Wer Behauptungen aufstellt, sollte diese auch belegen, ansonsten leidet die Aussagekraft eines Reviews ungemein.
August 1, 2009 um 5:42 nachmittags
Ich zitier mich mal kurz selbst: “Nun ist das mit der Abartigkeit und der Härte natürlich alles subjektiv [...]”
Du kannst ihn gerne als den sickesten Film der Torture-Porn-Welle sehen. Ich z.B. fand “Carver” härter. Aus diesem Grund wird man NIE einen Film als “den brutalsten Film des Jahres” oder “den brutalsten Film einer Reihe brutaler Horrorfilme” hinstellen.
August 4, 2010 um 1:48 nachmittags
[...] Andere Filme aus der Cat-III-Series von ILLUSIONS UNLTD.: Grotesque [...]