Review: WHITE LIGHTNIN’
I-ONs neue Reihe andersartiger Filme, die auf den Namen “Störkanal” hört, fängt mit einem ziemlich Knall an. White Lightnin’ nennt sich dieser Knall, und handelt von Jesco White, dessen Existenz mir vorher nicht bekannt war. Trotzdem habe ich ihn mir angesehen, und kann nicht behaupten, es bereut zu haben.
Wie schon erwähnt handelt der Film von Jesco White, Sohn des bekannten Donald Ray, der keine leichte Kindheit hatte: Umgeben von Armut, Drogenabhängigkeit und Gewalt versucht Jesco irgendwann, sein Leben in die Hand zu nehmen und in die Fußstapfen seinen Vaters zu treten. Er lernt zu tanzen und geht irgendwann auf Tournee. Dabei entdeckt er auch Gott für sich und beginnt, an religiösen Kunstwerken zu arbeiten und zu beten. Doch das Böse in ihm, das er zu unterdrücken versucht, findet immer wieder seinen Weg draußen.

Schon die Story zeigt einen Hang zur Hoffnungslosigkeit, und unterstrichen wird das nochmal von dem Stil des Filmes. Die ganze Szenerie ist farblos, manchmal beinahe schwarz-weiß und alles wirkt insgesamt sehr dreckig. Immer wieder werden die Szenen von Schwarzbildern unterbrochen, die einem eine kleine Verschnaufpause geben und dem Ich-Erzähler Zeit lassen, die Geschichte zu erzählen. Dieser Erzähler ist omnipräsent und gibt dem Film beinahe etwas dokumentarisches; mit ruhiger, gelassener Stimme begleitet er Szenen voller Gewalt und depressivem Grundton.
Und Gewalt gibt es in dem Film zuhauf, allerdings wirkt sie niemals platt oder gar aufgesetzt. Auch wird sie nicht sinnlos ausgewälzt; es wird auch schon mal etwas früher weggeblendet, was den Zuschauer dann mit seinem eigenen Kopfkino zurück lässt. Das kann manchmal härter sein als Effekte aus Latex und Kunstblut.
Eine Art seelische Gewalt erlebt auch Jesco, der mit seinem “inneren Bösen”, mit seiner Aggression umzugehen versucht. Er ist von seiner Kindheit und seiner Umgebung stark traumatisiert und erlebt deswegen einen psychischen Verfall. Man leidet mit ihm, wenn er unter all dem, was in ihm vorgeht, zusammen bricht und wieder zu den Drogen greift. Und selbst, wenn er aggressiv wird und Menschen angreift, empfindet man Sympathie für ihn, da man weiß, dass er all das gar nicht möchte. Untermalt werden diese dramatischen Szenen mit einem heftigen Soundtrack voller verzerrter Vocals. Dieser macht – zusammen mit der farblosen Stilistik – das filmische Abbild seiner Verzweiflung beinahe perfekt.

Allerdings bin ich mir etwas unschlüssig über das Ende. Auf der einen Seite kann man natürlich argumentieren, dass hier die Verzweiflung und innere Kaputtheit ihren Höhepunkt findet. Auf der anderen Seite ist das Ganze dann allerdings ein wenig over-the-top, was den Realismus ein wenig bröckeln lässt. Mit Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass es effektiv ist – man bleibt ziemlich sprachlos zurück, nachdem die letzte Szene über den Bildschirm geflimmert ist.
Fazit: Von dem Ende kann man natürlich halten, was man möchte. Nichtsdestotrotz ist White Lightnin’ ein sehr intensives Filmerlebnis und sicherlich keine leicht verdauliche Kost. Wer also Filme nicht nur zur reinen Unterhaltung guckt sollte definitiv mal ein Auge darauf werfen.
8/10